26.01.2019

Viel Bewegung abseits der Metropolen

Viel Bewegung abseits der Metropolen

MARKENHOTELLERIE - Betrteiber haben kleinere Standorte für sich entdeckt. Dadurch werden Markenanschlüsse oder -wechsel von Bestandshotels möglich. Weil auch Investoren mitziehen, entstehen etliche Neubauten in der Provinz.

Stuttgart. Über die Idee einer Hotelinvestition in der 33.000-Seelen-Gemeinde Biberach an der Riß oder dem 20.000-Einwohner-Städtchen Nördlingen hätten Projektentwickler vor gar nicht allzu langer Zeit noch gelächelt. Doch das ist inzwischen Schnee von gestern. B- und C-Standorte haben angesichts leergefegter A-Locations und voller Taschen potenzieller Investoren längst an Bedeutung gewonnen. Inzwischen sind sogar Kleinstädte kein Tabu mehr – zumindest nicht für private Geldgeber und internationale Franchiseanbieter.

In Biberach wird die Fides-Gruppe aus Ulm im neu gestalteten Bismarck-Karree im Mai das neue Best Western Biberach mit 109 Zimmern und Suiten eröffnen, darunter zwölf Apartments mit voll ausgestatteten Küchen. Hotelbetreiber wird Oliver Schreiber, der bereits das Best Western Plus Atrium Hotel sowie das angeschlossene Restaurant Siedepunkt in Ulm betreibt. Mit dem Ibis Styles Nördlingen, das Mitte des Jahres an den Start gehen soll, setzt die mittelständische Hotelmanagementgesellschaft Place Value GmbH mit Sitz in Grünwald ihren Wachstumskurs und ihre Partnerschaft mit Accorhotels fort. Das Budget-Designhotel wird 104 Zimmer, Rezeption, Lobby-Bar und Frühstücksbereich bieten.

Auf nach Ingelheim

Solche Entwicklungen in Kleinstädten sind keineswegs nur im Schwabenland an der Tagesordnung, auch in Rheinland-Pfalz tut sich einiges. In dem beschaulichen 25.000-Einwohner-Städtchen Ingelheim – in dem aber immerhin unter anderem das Unternehmen Boehringer seinen Sitz hat – ging schon im Sommer 2017 ein IBB Collection Hotel mit 103 Zimmern an den Start. Inzwischen ist vor allem in den mittelgroßen Städten Trier und Koblenz (jeweils 114.000 Einwohner) sowie Kaiserslautern (knapp 100.000 Einwohner) Bewegung auf dem Hotelimmobilienmarkt.

Neu ging in Trier 2018 das B&B-Hotel am Hauptbahnhof mit 120 Zimmern an den Start, ein Haus der Intercontinental-Marke Holiday Inn mit 158 Zimmern wird voraussichtlich im Herbst 2019 öffnen. Das frühere Pentahotel mit seinen 127 Zimmern in Trier gehört seit dem 1. Februar 2018 ebenso wie die angrenzende Europahalle zum Immobilienunternehmen IFA aus Schillingen und wird als Best Western Trier City geführt.

Über Trier als möglichen Standort denkt zudem die Sander-Gruppe aus Koblenz nach, die in Koblenz seit September vergangenen Jahres ein 100-Zimmer-Hotel betreibt. B&B Hotels und Ghotel sind ebenfalls schon in Koblenz angesiedelt. Als nächstes wird dort ein Super-8-Hotel mit 115 Zimmern erwartet, betrieben von GS Star. Zudem hat inzwischen auch Motel One ein Haus mit 177 Zimmern in der Stadt am Deutschen Eck angekündigt. Die Münchner Gruppe hat schon 2017 ein Hotel in der 230.000-Einwohner Stadt Freiburg eröffnet.

Derweil verdichtet Motel One zum einen seine Präsenz an A-Standorten in Deutschland und macht durch die Expansion in Großbritannien und Mitteleuropa von sich reden. Zum anderen setzt die Economy-Design-Gruppe inzwischen auf ausgewählte B-Destinationen und mit Koblenz nun auch auf C-Standorte. Schon 2007 ging beispielsweise das Motel One in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden an den Start, die rund 280.000 Einwohner hat. Erst 2013 folgte ein B & B, fünf Jahre später öffnete dort vor Kurzem ein Best-Western-Hotel. Holiday Inn Express, Intercity Hotel, Adina und ein Twice Hotel werden in den nächsten Jahren folgen. Reichlich Kapazitäten also für die Besucher des neuen Kongresszentrums der Stadt, das 2018 eröffnete RMCC.

Auf der anderen Rheinseite, in Mainz, ist zwar (noch) kein Motel One in Sicht, doch angefeuert von verschiedenen Experten-Gutachten ist auch dort ein wahrer Eröffnungsreigen im Gang. Im Winter 2016 begrüßte bereits das zweite B & B-Hotel mit 119 Zimmern in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt erste Gäste. 2017 folgte das 58-Zimmer-Hotel AC, 2018 das 160-Zimmer-Haus von Lindners Lifestyle-Marke Me and All. Anfang 2019 soll das Super 8 Mainz mit 216 Zimmern am Zollhafen folgen, und noch im Herbst 2019 werden die Eröffnung des Novum Style mit 180 Zimmern und eines Schwesterhotels der Serviced-Apartment-Marke Novum Like Apart mit 99 Einheiten erwartet.

Für den Eintritt von Marken und neuen Hotels in B- und C-Standorten gibt es viele Gründe. „Wettbewerbsfähige Hotels können durch einen starken Vertrieb auch vagabundierende Nachfrage binden“, erläutert Tina Froböse, Geschäftsführerin von Select Hotel Advisory Services aus Düsseldorf. „Dadurch sind Standorte auch abseits der Metropolen für die Ansiedlung von Hotels durchaus interessant. Abhängig von den lokalen Grundstückspreisen sind dort mitunter interessantere Renditen als in Metropolen realisierbar.“ Wichtige Erfolgskriterien seien eine solide wirtschaftlich strukturierte Region, eine gute Verkehrsanbindung – aber auch touristische Highlights, die einem Hotel an Wochenenden und in Ferienzeiten eine zufriedenstellende Auslastung lieferten.

„Je nach Qualität der regionalen Wettbewerbslandschaft kann ein frisches, zeitgemäßes Hotelprodukt im Vergleich zu A-Standorten eine stärkere Ertragskraft entfalten“, so Expertin Froböse. Und Thomas Röckelein, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters Tophotel Consultants aus Baden-Baden, unterstreicht: „An einem C- oder DStandort kommt meist nur ein Hotel hinzu. Eine erweiterte Konkurrenzsituation durch neue Hotelprojekte ergibt sich dort dann meist nicht mehr.“

Die Markendichte abseits der Metropolen nimmt aber nicht nur durch Neubauten, sondern auch durch Markenanschlüsse zuvor unabhängiger Privathotels zu. Hinzu kommen Markenwechsel von Bestandshäusern. Die werden oft erst möglich, weil sich inzwischen auch Marken für deren Standorte interessieren, denen sie zuvor als weniger attraktiv erschienen.

Ketten starten durch

So wurde etwa Dorint zum 1. November 2018 Franchisegeber des von der Halbersbacher-Gruppe betriebenen Dorint Parkhotel in Siegen, das über rund 102.000 Einwohner verfügt. Seit 1. Januar firmiert auch das bisher Best Western angeschlossene Halbersbacher-Haus in Alzey – das nur rund 18.000 Einwohner hat – unter dem Namen Dorint Hotel Alzey/Worms. In Planung befinden sich zudem zwei klassische Dorint-Business-Hotels in Zwickau (rund 90.200 Einwohner) und Hannover.

Best Western selbst expandiert mit dem im vergangenen Jahr neu vorgestellten Soft-Brand „Sure Hotel Collection by Best Western“ weiter. Davon gehen in Deutschland drei Hotels an den Start: Das Amedia Plaza in Schwerin (rund 96.000 Einwohner), das Plaza Hotel Blankenburg in Ditzingen (rund 25.000 Einwohner) sowie das Amedia Hotel in Weiden rund 43.000 Einwohner) sind die ersten Häuser der Hotelkollektion in Deutschland. Betreiber aller drei Hotels ist die Plaza Hotelgroup mit Sitz in Heilbronn.

Quelle: AHGZ, Januar 2019 von Susanne Stauß

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